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+130 Grad auf dem Bauch, - 160 Grad auf dem Rücken…

„Ob wir nicht vielleicht auch mit rein können? Das würd’ mich nämlich auch interessieren!“ Nein, „wir“ müssen leider draußen bleiben; der morgendliche Start des „Space Shuttle“ zu einer wissenschaftlichen Erkundung des Klimas ins All ist nicht für die Eltern gedacht. Hier entdecken die Kinder im Grundschulalter, wie sich das mit dem Klima auf der Erde verhält. Was ist eigentlich das „Klima“? „Wenn Du lange genug das Wetter beobachtest, dann untersuchst Du schon das Klima. Vom Wetter spricht man in kurzen Zeiträumen, danach vom Klima.“

 

Aha, da kennt sich wohl jemand aus. Die Frau, die sich gleich als „Captain Julia“ vorstellen wird, ist zusammen mit „Commander Petra“ die -wissenschaftliche- Besatzung des Klimamobils, das heute morgen in der Johann-Dietz-Grundschule in Ellhofen Station macht. Immerhin ist das Klimamobil ein offizielles Projekt der Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen und somit auch unter der Schirmherrschaft der Ministerin für Forschung und Bildung.

 

Was das Klimamobil ist, haben die Kids (Marvin, Niklas, Lilly, Jan, Pia, Loris, Sven, Lukas, Christian, Verena und David) schon entdeckt. Da steht ein großer grüner Lieferwagen auf dem Schulhof direkt vor der Eingangstüre, vor der sonst immer Herr Waitschies die Schüler begrüßt. Im Inneren sieht es zunächst ziemlich technisch aus; manches ist noch verdeckt. Unter einem der Tücher steckt eine Erdkugel. Der „Captain“ bekommt von den Kindern jede Menge Infos dazu: der „blaue Planet“, weil das meiste Wasser sei, aber wegen des Salzgehalts nicht trinkbar; am Äquator ist die Erde „am dicksten“ und Tag und Nacht gleich lang und es regnet jeden Tag; es gibt 5 Kontinente sowie die Arktis und die Antarktis; in der Wüste ist es trocken und warm…  Die Kinder wissen viel, man möchte sagen fast alles. Aber was bedeutet denn das jeweils, wie kommt es dazu? Und ist das jeweils immer so? Zunehmend kommen so nebenbei ein paar Zusammenhänge von den Wissenschaftlern.

 

Die Antarktis ist ein Kontinent, weil unter dem Eis Land ist; die Arktis besteht dagegen nur aus Eis. „Wenn ich ein Eisberg wäre, würde nur der Teil ab der Nasenspitze bis zum Scheitel aus dem Wasser schauen, der Rest wäre unter Wasser“. Erwachsenen könnte man das auch anders erklären: nur ein Siebtel eines Eisbergs ist über Wasser sichtbar… Die Kinder wissen auch schon, dass es dem Eisbären nicht mehr so gut geht, da die Eisberge schmelzen. Woran liegt das? „Die Erde hat sich in den letzten Jahrzehnten um ungefähr ein Grad erwärmt. Das klingt nicht viel. Aber wenn ihr vielleicht zwei Grad wärmer seid als sonst, dann habt ihr schon Fieber.“

 

Auf der Erdkugel erscheinen verschieden gefärbte Zonen, die sich allmählich ausbreiten und immer röter werden. „So sieht das aus, wenn sich die Erde weiter im derzeitigen Tempo erwärmt.“ Dann steigt der Wasserspiegel weltweit, viele Küstenstädte liegen unter Wasser. Und Holland? Und Hamburg? Plötzlich ertönt eine Sirene; ein Blaulicht blinkt. ALARM! Die Erde hat Fieber! Sie ist wohl zu warm! Woran liegt das? „Wir sollten das herausfinden! Wir müssen etwas dagegen tun!“

 

Ein steigender Wasserspiegel ist nicht das einzige Problem einer sich ständig weiter erwärmenden Erdkugel, weiß Petra zu berichten, es könnte auch lange nicht regnen oder es kommen große Stürme, ja Orkane. Wüsten breiten sich aus, wie es derzeit bereits in Spanien der Fall ist. Was passiert noch? Die Kinder formulieren 4 zentrale Fragen:

  1. Warum hat die Erde Fieber?
  2. Was können wir dagegen tun?
  3. Was passiert, wenn es lange nicht regnet?
  4. Wie entstehen Wind und Sturm?

 

Um dies herauszufinden schüttet Petra Steine und Sand in einen durchsichtigen Behälter. Obenauf stopft sie eine Handvoll Küchenpapier. „Aber das gehört doch gar nicht in den Boden“, beschwert sich gleich ein aufmerksamer Beobachter. „Stimmt“, gibt ihm Petra Recht, „aber dieses Küchenpapier hat fast dieselben Eigenschaften wie Erde!“ Sie schüttet nicht ganz sauberes Wasser obendrauf, nimmt ein Röhrchen und bohrt es durch die Schichten, dem Wasser hinterher. Zum Erstaunen der Kinder trinkt sie einen Schluck daraus… IIhhh! Aber halt, das Wasser ist ja gar nicht mehr so dreckig, sondern durch die „Erdschichten“ gefiltert. „Und wenn man noch mehr Wasser draufschüttet?“ Der Grundwasserspiegel steigt. Noch mehr? Es gibt eine Überschwemmung. Das kennen wir auch aus Deutschland, nicht nur aus Pakistan.

 

Auf allen Tischen stehen ein durchsichtiger Behälter, eine kleine Schale, zwei Becher und eine Taschenlampe. „Wir untersuchen mal, wie Wind entsteht“. Mit diesen Sachen? Die Kinder stülpen den Behälter umgedreht auf die beiden Becher. Drunter kommt die Schale. Jetzt braucht man noch ein brennendes Räucherstäbchen, dann muss man genau hinschauen. Aufgeregt berichten die Kinder, was sie gesehen haben. „Es ist schon mal ganz gut, wenn wir alle dasselbe beobachtet haben. Das ist nicht immer so bei Forschern…“ Am ausführlichsten formuliert Jan seine Erkenntnisse. „Du könntest sofort bei uns anfangen, so genau stimmt das.“ Etwas kürzer: Warme Luft steigt auf, kühlt ab und sinkt wieder zu Boden, wo der zirkulierende Luftstrom als Wind wahrgenommen wird. Je stärker die Erwärmungen, desto stärker der Wind..

 

Am besten kann man unsere Atmosphäre von oben, beispielsweise vom Mond aus beobachten. Dort gibt es allerdings keine Atmosphäre, weshalb es auch keinen blauen Himmel gibt. Aber starke Temperaturunterschiede: auf der Schattenseite ist es – 160 Grad kalt, auf der Sonnenseite dagegen + 130 Grad warm! Ganz gut, dass wir die Atmosphäre haben und solche Temperaturen nicht kennen; bei 100 Grad kocht Wasser, die Gefriertruhe hat gerade mal – 18 Grad.

 

Viele Fragen sind inzwischen schon beantwortet. Das wichtigste steht noch aus: warum hat die Erde Fieber und was können wir dagegen tun? Jetzt wird es kurz technisch: „Sehr euch dieses Bild eines Treibhauses an: Die Sonne scheint durch das Glas herein, wodurch es warm wird. Die warme Luft kann aber nicht aufsteigen und aus dem Haus heraus, weil sie durch die Glaswände zurückgehalten wird. Auf der Erde ist es genauso, denn die warme Luft wird durch zu viele Treibhausgase, insbesondere  festgehalten.“  Woher diese kommen, wollen die Kinderwissen. „Von Autos, vom Heizen, sehr viel von Flugzeugen und Kohlekraftwerken.“ Ideen zum Sparen (Forscherfrage „Was können wir dagegen tun“) kommen nun zuhauf: Laufen oder Fahrradfahren, weniger Computerspielen oder die Geräte g a n z ausschalten. Und am besten mit dem Zug anstatt mit dem Flieger in die Ferien. In größerem Stiele betrifft es natürlich auch den Energie-Mix (um mal wieder ein Wort aus der Erwachsenensprache zu benutzen): mehr Wind, mehr Sonne, bessere Dämmung und Heizungsanlagen…

 

Etwas globaler ist auch die Geschichte mit dem Wald: während in Europa Bäume nachgepflanzt werden, wird z.B. in Südamerika Wald gerodet, um Nahrung für Kühe anzubauen. Also schützt man auch die Umwelt, wenn man Fleisch vom Metzger (und damit meist regional von unseren Kühen) isst.

 

Manchmal ist es aber auch ganz einfach: bei Glühbirnen verbrennt man sich tatsächlich die Finger (deshalb heißen sie auch so), bei Energiesparlampen dagegen nicht. Die Kinder wissen jetzt auch, warum.

Rainer Kopf